Reselling-Gewinn berechnen: So weißt du vor dem Kauf, ob es sich lohnt

Dein Reselling-Gewinn ist der Verkaufspreis minus Einkaufspreis, Marktplatzgebühren, Versand, Verpackung und – falls du regelbesteuert bist – die abzuführende Umsatzsteuer. Ob sich ein Weiterverkauf lohnt, zeigt der Break-even-Preis: der Verkaufspreis, ab dem du nach allen Kosten bei null landest. Liegt der realistische Marktpreis deutlich darüber, ist der Deal interessant.

Aktualisiert am , 7 Minuten Lesezeit

Die Grundformel für den Reselling-Gewinn

Gewinn = Verkaufspreis − Marktplatzgebühren − Versand − Verpackung − Einkaufspreis − Umsatzsteuer-Zahllast

Klingt einfach, aber in der Praxis wird fast immer etwas vergessen. Die häufigsten Lücken: Die Verkaufsprovision wird oft auch auf die Versandkosten berechnet, die der Käufer zahlt. Verpackung, Retouren und Zahlungsgebühren fehlen in der Rechnung. Und wer regelbesteuert ist, vergisst, dass ein Teil des Verkaufspreises gar nicht ihm gehört, sondern dem Finanzamt.

KostenblockWas dazugehörtOft vergessen
EinkaufKaufpreis, ggf. Versand zu dirGutscheine erst nach Kauf gutgeschrieben
MarktplatzVerkaufsprovision, Fixgebühr pro BestellungProvision auf Versandanteil, Anzeigenkosten
VersandPorto, VersicherungÜbergröße, Nachporto
VerpackungKarton, Polster, Klebebandbei vielen Sendungen spürbar
SteuernUmsatzsteuer bei RegelbesteuerungEinkommensteuer auf den Gewinn
RisikoRetouren, Beschädigung, Preisverfallgebundenes Kapital

Marge und ROI: Zwei Kennzahlen, zwei Fragen

  • Marge = Gewinn ÷ Verkaufspreis. Sie beantwortet: Wie viel vom Umsatz bleibt hängen?
  • ROI (Return on Investment) = Gewinn ÷ Einkaufspreis. Er beantwortet: Wie gut verzinst sich mein eingesetztes Kapital?

Beispiel: 20 € Gewinn bei 100 € Verkaufspreis und 60 € Einkauf ergeben 20 % Marge und 33,3 % ROI. Für Reseller ist der ROI oft aussagekräftiger, weil Kapital der Engpass ist. Noch besser ist es, den ROI mit der Verkaufsdauer zu verbinden: 15 % ROI in einer Woche schlagen 30 % ROI in drei Monaten, wenn du das Geld mehrfach umschlagen kannst.

Break-even berechnen (eBay-Beispiel)

Weil die Verkaufsprovision prozentual vom Verkaufspreis abhängt, kannst du den Break-even nicht einfach durch Addieren ermitteln. Die Formel lautet:

Break-even-Preis = (Einkauf + Versand + Verpackung + Fixgebühr) ÷ (1 − Provisionssatz)

Beispielrechnung mit 11 % + 0,35 € (die echten eBay-Sätze hängen von Kategorie und Konditionen ab – mehr im Ratgeber eBay-Gebühren für Reseller): Einkauf 40,00 €, Versand 4,99 €, Verpackung 0,60 €, Verkauf versandkostenfrei, Kleinunternehmer.

SchrittRechnungErgebnis
Fixe Kosten addieren40,00 + 4,99 + 0,60 + 0,3545,94 €
Durch (1 − 0,11) teilen45,94 ÷ 0,8951,62 €
Probe: Provision51,62 × 11 % + 0,356,03 €
Probe: Rest51,62 − 6,03 − 4,99 − 0,60 − 40,000,00 €

Unter 51,62 € machst du Verlust. Willst du mindestens 5 € Gewinn, brauchst du (45,94 + 5) ÷ 0,89 = 57,24 € Verkaufspreis. Liegen die verkauften Angebote stabil bei 65 €, hast du Puffer; schwanken sie zwischen 50 und 60 €, ist der Deal zu knapp.

Mit Umsatzsteuer rechnen: Kleinunternehmer vs. Regelbesteuerung

Als Kleinunternehmer weist du keine Umsatzsteuer aus und rechnest mit Bruttopreisen. Bist du regelbesteuert, steckt im Verkaufspreis 19 % Umsatzsteuer, die du abführen musst – dafür bekommst du die Vorsteuer aus deinem Einkauf zurück. Du rechnest dann am einfachsten mit Nettobeträgen.

Beispiel: Einkauf 50,00 € brutto, Verkauf 79,00 € brutto, Versand 4,99 €, Gebühren nach Beispielsatz 11 % + 0,35 € = 9,04 € (vereinfacht ohne Vorsteuer auf Gebühren und Versand):

PositionKleinunternehmerRegelbesteuert (netto)
Verkaufspreis79,00 €66,39 €
Einkauf− 50,00 €− 42,02 €
Gebühren− 9,04 €− 9,04 €
Versand− 4,99 €− 4,99 €
Gewinn14,97 €10,34 €

Der Unterschied entsteht, weil bei Regelbesteuerung die Umsatzsteuer auf die Wertschöpfung (hier 79 € − 50 €) abgeführt wird. In der Praxis verringert der Vorsteuerabzug auf Gebühren und Versand diesen Abstand etwas. Bei Gebrauchtware von Privatpersonen kann die Differenzbesteuerung helfen – Details im Ratgeber Reselling: Gewerbe und Steuern.

Lohnt sich der Weiterverkauf? Die Checkliste

  1. Realistischer Verkaufspreis: Median der verkauften Angebote der letzten Wochen, nicht der höchste Angebotspreis.
  2. Break-even und Mindestgewinn berechnet – inklusive Provision auf den Versandanteil.
  3. Verkaufsgeschwindigkeit: Wie viele Einheiten wurden zuletzt verkauft, wie viele sind aktuell gelistet?
  4. Preistrend: Steigt, fällt oder schwankt der Preis? Droht ein Restock oder Nachfolgemodell?
  5. Risiken: Fälschungsgefahr, Markenbeschränkungen, hohe Retourenquote in der Kategorie.
  6. Kapitalbindung: Kannst du das Geld entbehren, falls der Verkauf länger dauert?

Den realistischen Verkaufspreis ermitteln

Die beste Formel hilft nichts, wenn der angenommene Verkaufspreis falsch ist. Nutze deshalb verkaufte Angebote als Basis, nicht aktive. Aktive Angebote zeigen, was Verkäufer gern hätten; verkaufte Angebote zeigen, was Käufer tatsächlich zahlen. Achte dabei auf gleichen Zustand (neu, wie neu, gebraucht), gleiche Variante und vergleichbare Versandkosten.

  • Median statt Durchschnitt: Einzelne Ausreißer nach oben oder unten verzerren den Mittelwert.
  • Zeitraum begrenzen: Verkäufe der letzten Wochen sind aussagekräftiger als die der letzten Monate.
  • Konkurrenz zählen: Viele aktive Angebote bei wenigen Verkäufen drücken den Preis, wenn du schnell verkaufen willst.
  • Sicherheitsabschlag: Rechne lieber mit einem Preis etwas unter dem Median.

Sensitivität: Was passiert, wenn der Preis fällt?

Mit dem Beispiel von oben (Einkauf 40 €, Break-even 51,62 €) siehst du, wie empfindlich der Gewinn auf den Verkaufspreis reagiert – jeder Euro weniger kostet dich wegen der Provision zwar nur 0,89 € Gewinn – das summiert sich aber schnell:

VerkaufspreisGebühren (11 % + 0,35 €)Gewinn
65,00 €7,50 €11,91 €
60,00 €6,95 €7,46 €
55,00 €6,40 €3,01 €
50,00 €5,85 €− 1,44 €

Von der Rechnung zur Wahrscheinlichkeit

Eine einzelne Gewinnzahl täuscht Sicherheit vor. Marktpreise streuen, und nicht jeder Artikel verkauft zum Durchschnittspreis. Arbitrage Radar rechnet deshalb nicht nur den Break-even inklusive Gebühren und Versand, sondern schätzt aus aktuellen Marktangeboten die Wahrscheinlichkeit, dass du mindestens den Break-even plus einen Mindestgewinn von 5 € bzw. 5 % (der höhere Wert zählt) erzielst. Gewichtet wird mit der Abverkaufsquote der letzten 30 Tage; angezeigt wird das Ergebnis als Prozentwert zwischen 1 und 97 % auf einem Balken von Rot bis Grün.

So siehst du auf einen Blick, ob ein Deal solide oder nur auf dem Papier gut ist. Probier es im Test-Dashboard mit den Top-3-Chancen jeder Kategorie aus – mit Beispieldaten und ohne Anmeldung. Mehr zur Kalkulation steht auf der Seite Reselling-Tool, einen Überblick über alle Funktionen bietet die Seite Arbitrage-Software.

Häufige Fragen

Wie berechne ich den Break-even bei eBay?

Addiere Einkaufspreis, Versand, Verpackung und die Fixgebühr pro Bestellung und teile die Summe durch (1 − Provisionssatz). Das Ergebnis ist der Verkaufspreis, bei dem du genau bei null landest. Prüfe die aktuellen Provisionssätze deiner Kategorie auf der Gebührenseite von eBay.

Was ist der Unterschied zwischen Marge und ROI?

Die Marge setzt den Gewinn ins Verhältnis zum Verkaufspreis, der ROI ins Verhältnis zum Einkaufspreis. 20 € Gewinn bei 100 € Verkauf und 60 € Einkauf sind 20 % Marge und rund 33 % ROI.

Ab wann lohnt sich ein Weiterverkauf?

Wenn der realistische Verkaufspreis deutlich über dem Break-even liegt und der Artikel zügig verkauft. Viele Reseller setzen sich einen Mindestgewinn pro Artikel, etwa 5 € oder 5 %, damit Zeitaufwand und kleine Ausfälle gedeckt sind.

Muss ich die Umsatzsteuer in die Gewinnberechnung einbeziehen?

Ja, wenn du regelbesteuert bist: Dann gehören 19 % des Bruttoverkaufspreises dem Finanzamt, während du die Vorsteuer aus Einkäufen zurückbekommst. Als Kleinunternehmer fällt keine Umsatzsteuer an, du kannst aber auch keine Vorsteuer abziehen.

Berechnet eBay die Provision auch auf die Versandkosten?

Ja, bei gewerblichen Verkäufern bezieht sich die Verkaufsprovision in der Regel auf den Gesamtbetrag inklusive Versand. Rechne den Versandanteil deshalb immer mit ein.

Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Gebühren und Grenzwerte können sich ändern.

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